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Dienstag, 24. März 2026 Mediadaten
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Kreis Höxter (TKu). Höchste Auszeichnung des Kreises Höxter verliehen. Diese erhielt der im Kreis Höxter aufgewachsene Journalist und Schriftsteller Hermann Multhaupt während der Kreistagssitzung am Montagabend in Höxter. Noch bevor die Tagesordnung der fünften Kreistagssitzung überhaupt begann, richteten sich alle Blicke nach vorn: Multhaup, der wie kaum ein anderer die Geschichten seiner Heimat bewahrt, erzählt und weitergetragen hat und das mit Worten, die Generationen verbinden, hat von Landrat Michael Stickeln das Verdienstwappen des Kreises Höxter in Gold verliehen bekommen unter großem Applaus der Kreistagsmitglieder aller Parteien. Es ist die höchste Auszeichnung des Kreises und diese wurde erst zum fünften Mal überhaupt vergeben. Musikalisch-festlich umrahmt wurde der Festakt durch eine Gruppe junger Talente der Musikschule Höxter im Beisein von Musikschulleiterin Claudia Knapp mit unterschiedlichen Streichinstrumenten.

Hermann Multhaupt lebte für die Heimat und darüber hinaus: In seiner ausführlichen Laudatio zeichnete Stickeln das Bild eines Mannes, dessen Lebenswerk weit über die Grenzen des Weserberglandes hinausstrahlt. Geboren 1937 im beschaulichen Beverungen und aufgewachsen im Weserdorf Herstelle, hat Multhaupt früh erfahren, wie prägend Geschichte sein kann. Krieg, Nachkriegszeit und persönliche Erlebnisse formten seinen Blick auf die Welt und legten den Grundstein für ein außergewöhnliches schriftstellerisches Schaffen. Nach seiner journalistischen Ausbildung führte ihn sein Berufsweg durch Städte wie Karlsruhe, Mannheim und Baden-Baden. Dort begegnete er bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Zeitgeschichte, berichtete über Wahlkämpfe von Konrad Adenauer und begleitete Franz Josef Strauß. Doch trotz aller Stationen blieb seine Verbindung zur Heimat stets lebendig.

1979 übernahm Multhaupt die Chefredaktion des Bistumsmagazins „Der Dom“ in Paderborn und prägte dieses bis zum Jahr 2000 maßgeblich. Parallel dazu engagierte er sich über Jahrzehnte in der Redaktion der kulturgeschichtlichen Zeitschrift „Die Warte“. 83 veröffentlichte Bücher umfasst seine Bibliografie bislang. Romane, Gedichte, Biografien, Meditationen und Reisetagebücher, kaum ein Genre, das er nicht bedient hat. Dabei gelingt ihm stets die Balance zwischen Heimatverbundenheit und Weltoffenheit. Er schrieb über Persönlichkeiten wie Annette von Droste-Hülshoff, deren Werk „Die Judenbuche“ bis heute zur deutschen Literaturgeschichte zählt, und widmete sich ebenso internationalen Themen. Seine Tagebücher aus Argentinien und Brasilien zeugen von einem neugierigen, offenen Geist.

Gemeinsam mit dem Pfarrer Manfred Wester machte Multhaupt zudem irische Segenswünsche im deutschsprachigen Raum bekannt – mit einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren. Sogar internationale Anerkennung blieb nicht aus: Die damalige irische Präsidentin Mary McAleese würdigte die Arbeit der beiden Autoren persönlich. In seiner Rede zitierte Landrat Stickeln den Philosophen Johann Gottfried Herder: „Wer seine Heimat liebt, der bewahrt ihre Geschichte.“ Kaum jemand verkörpert diesen Gedanken so eindrucksvoll wie Hermann Multhaupt. Der Landrat sagte dazu: „Seine Bücher sind mehr als Literatur, sie sind Archive des Alltags, Chroniken des Lebens und Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart“. Auch im hohen Alter zeigt sich Multhaupt unermüdlich. Erst kürzlich veröffentlichte er zwei neue Werke, darunter eines über das Kloster Kemnade – ein weiteres Beispiel für seine anhaltende Schaffenskraft.

Sichtlich gerührt nahm Multhaupt die Auszeichnung entgegen. Mit einem Augenzwinkern zitierte er Theodor Heuss: „Ich bin zutiefst erschüddert“ und traf damit den Ton zwischen Dankbarkeit und Bescheidenheit. In Multhaups Rede ließ er Erinnerungen an seine Kindheit im Zweiten Weltkrieg lebendig werden: Begegnungen mit Soldaten, Luftangriffe, verbotene Radiosendungen der BBC und prägende Erlebnisse im Schulalltag. Es waren eindringliche, teils erschütternde Schilderungen, die deutlich machten, wie sehr persönliche Geschichte und Zeitgeschichte miteinander verwoben sind. Doch trotz aller Ernsthaftigkeit fehlte es nicht an Humor. So erzählte Multhaupt von einer Begegnung mit seiner ehemaligen Lehrerin und davon, wie eine Windel, die sie einst mitbrachte, später von seinem Sohn getragen wurde.

Am Ende der Feierstunde stand nicht nur die Übergabe des Verdienstwappens, sondern auch die Erkenntnis, dass hier ein Lebenswerk gewürdigt wurde, das weit über das Geschriebene hinausgeht. Multhaupt habe seiner Heimat laut Michael Stickeln eine Stimme gegeben und damit ein Stück kulturelle Identität bewahrt. Mit dem von Johann Wolfgang von Goethe, der auf Multhaupt nicht treffender nicht hätte sein können, schloss Landrat Stickeln seine Laudatio: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“

Fotos: Thomas Kube

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